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Gleich zu Beginn der vergangenen Woche sorgte der angeschlagene Handyhersteller Nokia für eine große Schlagzeile, die in der Technikszene für viel diskutiert wird. Nach Informationen des Wall Street Journals vom 10. Februar plant der einstige Weltmarktführer in Sachen Handys ein Smartphone mit Android-Betriebssystem. Es wäre das erste Smartphone des finnischen Herstellers, das mit dem Google-Betriebssystem Android läuft, wenn auch mit abgespeckten Funktionen. Die klassischen Google Apps werden auf dem Gerät nicht zu finden sein. Stattdessen bringt Nokia zum Teil eigene sowie von Microsoft zur Verfügung gestellte Dienste für Musikanwendungen und Kartendienste ein. Veröffentlicht werden soll das Android-Smartphone unter dem Namen Normandy bzw. Nokia X des finnischen Herstellers auf einer Pressekonferenz am 24. Februar. Noch vor gut drei Jahren hatte sich Nokia dazu durch gerungen, sein Problemkind „Handysparte“ für rund 5,4 Mrd. € an Microsoft abzutreten.

Vom Marktführer zum Sorgenkind

Um die Besonderheit dieses Schachzugs von Nokia und dessen Auswirkungen verstehen und abschätzen zu können, lohnt ein kurzer Rückblick auf die jüngere Firmengeschichte Nokias.

  • Nokia wird Marktführer für Handys (1998)
  • Nokia nicht mehr unter den Top-Ten Marken, stattdessen größter Marktwertverlierer (2008)
  • 4000 Arbeitsplätze abgebaut, 3000 Jobs ausgelagert, Rund 1 Mrd. € Verlust (2011)
  • Kooperation mit Microsoft wird bekannt gegeben
  • Eigenes Betriebssystem Symbian wird eingestellt
  • Vorstellung des ersten Handys mit Windows-Phone 7.5 (10/2011)
  • Samsung löst Nokia als Weltmarktführer für Handys ab (2012)

Die aufgeführten Meilensteine in der Firmenhistorie zeigen, dass Nokia nach jahrelanger Dominanz in den letzten 15 Jahren nicht nur deutlich an Boden verloren, sondern auch den Titel des weltweiten Handymarktführers an Samsung abgegeben hat. Als Wendepunkt im negativen Sinne lässt sich hier das Jahr 2007 ausmachen. Das Jahr, in dem Apple mit der Veröffentlichung des ersten Smartphones, dem iPhone, eine ganze Branche revolutionierte und auf den Kopf stellte.

Der Kritik, das Smartphonegeschäft verpasst und den Trend zu spät erkannt zu haben, muss sich Nokia bis heute annehmen. Während andere Hersteller smarte Handys entwickelten, trat der finnische Hersteller auf der Stelle. Verluste in Milliardenhöhe, die nur noch durch Stellenstreichungen zu kompensieren waren, waren die Folge.

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung

Erst vor ungefähr drei Jahren beschloss Nokia, das eigene unfortschrittliche Betriebssystem Symbian aufzugeben, um einen neuen Versuch im Smartphonebereich zu starten. Später entschied man sich, die Handysparte an Microsoft zu verkaufen und fortan Nokia Handys mit dem Betriebssystem Windows Phone auszustatten. Interessante Zusatzinformation: Auch Google hatte versucht, Nokias Handysparte anzukaufen

Umso erstaunlicher ist es, dass der Handyhersteller nun die Produktion eines Android-Phones bekannt gegeben hat, ist Android doch schließlich ein mit Windows Phone konkurrierendes System. Damit experimentiert Nokia bereits mit dem dritten Betriebssystem für seine Hardware.

Die Tatsache, dass sich Nokia bereits vor den Verkaufsüberlegungen der Mobilfunksparte mit der Entwicklung eines Android Handys befasste, relativieren die Meldung. Zudem ist die 2011 beschlossene Akquisition noch nicht umgesetzt – die Transaktion erfolgt in den nächsten Monaten.

Die Rolle von Microsoft

Bis zum Ankauf von Nokia galt Microsoft als reiner Softwarehersteller. Im Zuge der Übernahme Nokias darf sich Microsoft dann künftig auch als Smartphonehersteller bezeichnen. Die Idee hinter der Zusammenarbeit ist die Kombination von Microsofts Betriebssystem, das auch auf wenigen Geräten der Marken HTC und LG läuft, und Nokias Hardware. Dem Kunden soll mit Windows-Phone basierten Nokia Modellen so eine massentaugliche Alternative zu anderen Android und iOS basierten Smartphones geboten werden. Angestrebt ist ein Marktanteil der mit Microsofts Betriebssystem laufenden Geräte von 15% bis 2018.

 

Die Tatsache, dass der künftige Partner kurz vor der endgültigen Übernahme ein neues Smartphone auf Android-Basis vorstellen will, dürfte Microsoft daher nicht erfreuen. Denn auch, wenn eine Android Handy von Nokia bereits in Planung war, hätte dieses nicht zwangsläufig weiter entwickelt werden müssen.

Reaktionen auf die Meldung

 „Unklar ist, ob es sich beim ersten Android-Smartphone von Nokia nur um ein Experiment oder einen Strategiewechsel im Kampf um den Markt für günstige Smartphones handelt. Microsoft ist zwar ein erbitterter Google-Rivale, profitiert aber auch finanziell vom Android-Aufstieg: Die großen Hersteller zahlen Patentgebühren an den Softwarekonzern.“ (www.welt.de, 11.02.2014)

“Der Android-Fork ist eine Kampfansage an Google. Am Verkauf eines solchen Nokia-Smartphones würde Google nichts verdienen, denn Google kassiert nur dann Lizenzgebühren, wenn ein Hersteller die Google-Apps übernimmt.”(www.zeit.de, 11.02.2014)

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