Leben im Standby-Modus – Ein Spiegel-Bericht über Muße
21. Juli 2010 von Florian Gerwien
In der neuen Ausgabe des Spiegel-Magazins (Nr. 29 / 19.07.10) ist das Titelthema „Leben im Standy-Modus“ geschrieben von Susanne Beyer.
Der Artikel beschreibt den modernen Menschen, der durch die neuen Medien kaum noch Erholung und Ruhe findet, sondern jederzeit auf Abruf bereit steht. Sei es die Email vom Arbeitgeber, die einen im Urlaub erreicht, das Notebook, das das Büro mit nach Hause bringt, oder das Handy, das Tag und Nacht angeschaltet ist, um für Arbeitskollegen, Freunde und Familie erreichbar zu sein. All diese Dinge halten uns davon ab, Ruhe zu finden, Muße zu betreiben.
Der Mensch hat sich so an das schnelle Leben gewöhnt, dass er das Entspannen verlernt hat. Die totale Abhängigkeit von Mobiltelefon, PC und TV führt soweit, dass selbst ein Tag ohne diese Geräte so manchen in den Wahnsinn treiben würde.
Durch festgelegte Zeiten, an denen man arbeitet und erreichbar ist, können Freiräume in der Freizeit geschafft werden, um beispielsweise einen gemütlichen Spaziergang zu unternehmen und einen klaren Kopf zu bekommen. Oder man fängt an Steine zu sammeln, wie es der deutsche Dichter Johann W. von Goethe gemacht hat.
Leider ist der Leistungsdruck in der heutigen Gesellschaft so groß, dass der, der nicht bis spät abends arbeitet oder nicht jederzeit erreichbar ist, als faul oder arbeitsscheu abgestempelt wird. Ein moralischer Fehler in der Gesellschaft, der nicht so leicht auszumerzen sein wird.
Ein Mensch sagt – und ist stolz darauf
Er geh’ in seinen Pflichten auf.
Bald aber nicht mehr ganz so munter,
geht er in seinen Pflichten unter.
(Gedicht von Eugen Roth)


