“Die Lebensmittel-Ampel hat den Nerv der Zeit getroffen und uns einen großen Nachfrageschub beschert.” - Im Gespräch mit Benjamin Thym über den neuen mobilen Dienst von barcoo
27. März 2009 von KM
telefon.de: Benjamin, Du bis der Geschäftsführer der Firma barcoo. Könntest Du Dich und Deine Firma bitte kurz vorstellen?
Benjamin Thym: Zusammen mit Tobias Bräuer und Martin Scheerer haben wir drei Gründer im Sommer 2007 über die verschiedenen Bio-Siegel diskutiert. Dabei haben wir festgestellt, dass es im Internet überall verteilt wichtige Produktinformationen gibt. Dort wo man diese benötigt, beim Einkaufen selber, stehen diese aber nicht zur Verfügung.
Und deswegen haben wir barcoo gegründet, sind alle nach Berlin gezogen und wollen allen Verbrauchern auf einfach Art und Weise Transparenz schenken: Jeder kann mit seinem Handy einfach den Barcode eines Produktes scannen und bekommt dann direkt Informationen dazu auf sein Handy: Preisvergleich, Testberichte und Ökoinformationen.
telefon.de: Letzte Woche ging eine interessante Meldung durch die Presse: “barcoo bringt die Lebensmittel-Ampel aufs Handy”. Was steckt dahinter?
Benjamin Thym: Die Politik und die Industrie diskutieren seit Jahren über die farbliche Kennzeichnung des Gehalts von Fett, Zucker und Salz in Lebensmitteln. Wir denken, dass lange genug diskutiert worden ist und haben deswegen einfach die „virtuelle“ Lebensmittel-Ampel eingeführt. Die Verbraucher erhalten so beim Einkauf unabhängige Informationen für eine gesunde Ernährung. Unsere Datenbank umfasst bisher die wichtigsten Lebensmittel, soll aber stetig wachsen. Dazu können die Verbraucher selbst beitragen, indem sie fehlende Daten direkt über das Handy eintragen.
telefon.de: Könnt Ihr schon etwas dazu sagen, wie der neue Dienst ankommt?
Benjamin Thym: Die Lebensmittel-Ampel hat den Nerv der Zeit getroffen und uns einen großen Nachfrageschub beschert. Uns überrascht auch die große Bereitschaft der Benutzer, die noch nicht vorhandenen Lebensmittel-Daten über das Handy einzutippen. Außerdem kriegen wir seit der Einführung der Ampel immer mehr Feedback von weiblichen Nutzern. Das zeigt, dass das mobile Internet noch mehr Benutzerinnen haben könnte, wenn es denn mehr Dienste geben würde, die auf die Interessen von Frauen eingehen würden.
telefon.de: Welche Vorraussetzungen muss das Handy erfüllen, damit man Eure Dienste nutzen kann?
Benjamin Thym: Prinzipiell kann jeder mit einem Internet-fähigen Handy barcoo benutzen. Und das sogar ohne Installation einer Anwendung. Man kann einfach unter barcoo.mobi den Barcode eintippen. Wer „scannen“ will, braucht ein aktuelles Nokia oder SonyEricsson-Gerät oder natürlich ein Android-Handy.
telefon.de: Zum Abschluss interessiert uns noch der Ausblick eines Experten. Was werden die interessantesten mobilen Anwendungen der kommenden Jahre sein?
Benjamin Thym: Wir glauben, dass in den nächsten Jahren noch mehr Dienste an den Start gehen, die „mobile crowdsourcing“ in ihrer DNA haben. Und das bezieht sich nicht nur auf Text- oder Zahleninformationen, sondern auch auf Audio-, Bild-, Video- und Geo-Informationen. Ich will beispielsweise wissen, ob jetzt gerade eine große Reisegruppe das Museum blockiert, in das ich gehen will. Entscheidend ist hierbei wie die Risiken des potentiellen Verlusts des Datenschutzes gesteuert werden, sowohl auf die Nutzer als auch auf die Politik bezogen.


