“Natürlich verfolgen wir die Diskussion um das Thema Applikationen.” - Im Gespräch mit Holger Fischbuch (Leiter Electronic Media bei den G+J Wirtschaftsmedien) über die iPhone App der Financial Times
16. Februar 2010 von KM
telefon.de: Herr Fischbuch, Sie sind als Leiter Electronic Media bei den G+J Wirtschaftsmedien verlagsseitig unter anderem für die iPhone App der FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND verantwortlich. Könnten Sie sich und Ihr Produkt unseren Lesern bitte kurz vorstellen?
Holger Fischbuch: Die Applikation bietet aktuelle Nachrichten über Unternehmen, Finanzen, und Politik sowie Analysen und Kommentare für unterwegs! Ergänzt werden die Kernressorts durch zahlreiche Berichte rund um die Themen Management & Karriere, IT & Medien, Wissen, Sport, Auto und Lifestyle.
Für Finanzprofis gibt es einen umfangreichen Börsenbereich mit detaillierten Kursinformationen und interaktiven Charts zu Aktienindizes, Devisen & Rohstoffen. Die Watchlist, Lesezeichen und Börsenanzeige schaffen einen hohen Individualisierungsgrad.
Abgerundet wird das Angebot durch eine sehr anwenderorientiert Kurssuche, informative Wissenstests und beeindruckende Bildergalerien.
telefon.de: Die iPhone Applikationen zwei anderer großer deutscher Tageszeitungen sind mit viel öffentlicher Wahrnehmung an den Start gegangen. Dazu kam die Kontroverse um die App der Tagesschau. Hat dieses “Theater” um das Thema Apps Ihrem Produkt den nötigen Rückenwind für den erfolgreichen Start gegeben?
Holger Fischbuch: Natürlich verfolgen wir die Diskussion um das Thema Applikationen. Es ist aus meiner Sicht jedoch eher ein brancheninternes Thema und wird von der breiten Öffentlichkeit nicht im Detail wahrgenommen.
Applikationen müssen vor allem nutzwertig sein und die Bedürfnisse der Zielgruppe erfüllen. Die öffentlichen Diskussionen haben geholfen, Apps in die Wahrnehmung der iPhone-User zu bringen. Allerdings wären wir ohne ein gutes Produkt heute nicht an Platz 1 in der Rubrik Nachrichten (meistgeladen).
telefon.de: Aktuell wird viel darüber diskutiert, ob die Applikationen eine Möglichkeit sind, um den redaktionellen Content von Printmedien auch im mobilen Internet zu monetarisieren. Wie beurteilen Sie diese Möglichkeit?
Holger Fischbuch: Applikationen sind mit Sicherheit eine interessante Option, um Paid Services umzusetzen, wobei ich mich bewusst auf Paid Services als übergeordneten Begriff und nicht auf Paid Content als Teilmenge beziehe.
Um diese Kostenpflichtigkeit aber erfolgreich durchsetzen zu können, benötigen diese Services zwingend eine Differenzierung zu vorhandenen kostenfreien mobilen Internetangeboten oder auch den klassischen Web-Angeboten, die mit dem Safari-Browser des iPhones mit nur geringen Einschränkungen ebenfalls nutzbar sind. Unserer Einschätzung nach trifft diese Differenzierung für das reguläre Nachrichtenangebot nicht zu. Aus diesem Grund ist unsere aktuelle iPhone-App als Basisvariante auch kostenlos mit dem Ziel zunächst Reichweite aufzubauen. In weiteren Releases werden wir diese kostenfreie App zu einer Freemium-App mit weiteren attraktiven Services ausbauen und die durch die Basisvariante aufgebaute Reichweite sowohl für die Vermarktung als auch für die Promotion von reinen Paid-Apps nutzen.
telefon.de: Welche Rückmeldungen haben Sie bisher von Ihren Lesern erhalten? Gibt es auch Reaktionen von Lesern, die die App nicht nutzen können. Ist die Android-Fraktion Ihrer Zeitungsleser evtl. auch an einer App interessiert?
Holger Fischbuch: Die Reaktionen sind bis jetzt durchweg positiv. Wir haben 3,5 Sterne in der Bewertung bei iTunes und fast ausschließlich 5-Sterne Rezensionen. Auch über die Feedback-Funktion in der App bekommen wir fast ausschließlich Lob. Das freut uns sehr und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir nehmen das Userfeedback sehr ernst und versuchen alle angemerkten Punkte in weiteren Ausbauschritten zu berücksichtigen.
„Benachteiligungs-Mails“ von Android-Nutzern haben wir noch nicht bekommen. Für uns signalisiert der Erfolg der App aber auch nicht, dass wir den Rest der mobilen Welt vernachlässigen! Wir haben gerade für die mobile Version von FTD.de viele Ideen in der Schublade und erst kürzlich viele neue Features live gestellt.
Die aktuellsten und wichtigsten Inhalte von FTD.de erreicht jeder Interessent mit jedem internetfähigen Handy, Blackberry oder PDA. Dazu muss er einfach www.ftd.de in den mobilen Browser eingeben. Die Darstellung der Inhalte wird dabei speziell auf die jeweilige Displaygröße des Handytyps angepasst.
telefon.de: Das Thema Apps wird sicher durch das iPad noch einmal neue Nahrung erhalten. Uns würde Ihre Einschätzung interessieren, wohin die Reise in diesem Bereich noch gehen wird.
Holger Fischbuch: Das Thema ist für uns sehr wichtig. Hier sehen wir ein wirkliches Feld für Verlage. Und die Relevanz steigt mit dem schnellen Markteintritt. Also wir sind dran – seien Sie gespannt!


