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telefon.de: Tobias, Du bist der Gründer der Firma Glovico UG. Könntest Du Dich und deine Firma bitte kurz vorstellen.

Tobias Lorenz: Klar, ich bin 30 und habe die Fairtrade Sprachschule Glovico vor anderthalb Jahren gegründet. Damals habe ich an meiner Promotion geschrieben und war für meine Forschung in Afrika. Dort habe ich gesehen, was Armut aus Menschen machen kann. Als studierter Philosoph, Linguist und Betriebswirt habe ich dann beschlossen, nicht zu jammern sondern ein Social Business zu gründen, das sich mit Sprache befasst. Daraus ist Glovico entstanden: eine Sprachschule in der Menschen aus Entwicklungsländern via Skype ihre Muttersprache unterrichten. Dadurch wollen wir zusätzliches Einkommen vor Ort ermöglichen und interkulturellen Dialog fördern. Man kann bei uns Französisch, Englisch, Arabisch, Portugiesisch, Chinesisch und Spanisch online lernen und eine Sprachstunde kostet ab sieben Euro. Eine Schnupperstunde zum kostenlosen Testen gibts auch. Ob Französisch für Anfänger oder Chinesisch für Anfänger: bei uns kann man sowohl online arabisch lernen als auch online portugiesisch lernen. Unsere Lehrer schneidern jede Stunde nach den Wünschen ihres Schülers.

telefon.de: Wie zentral ist für die Geschäftsidee die Existenz von Kommunikationsdiensten wie Skype?

Tobias Lorenz: Ohne solche Dienste wäre unser Angebot nicht möglich und wenn wir sehen, wie rasant die sich entwickeln, können wir in Afrika noch ganz andere Sachen erwarten. Afrika überspringt schon jetzt Festnetztelefon und wenn dort breit Smartphones verfügbar sind, dann können wir unseren Dienst auch noch stärker mit Lehrern aus dem Hinterland anbieten.

telefon.de: Ist die Beschaffung der notwendigen Hardware (Computer, Webcams, Headsets) unter Umständen für die Lehrer ein Problem?

Tobias Lorenz: Für die größeren Sprachen nur bedingt. Unsere Lehrer für diese kennen immer jemanden an der Uni oder in einem Büro, dessen Computer sie nutzen können. Nach einer Weile können sie sich dann einen eigenen anschaffen oder haben sogar vorher schon ein älteres Modell zu Hause. Als nächstes wollen wir jedoch in kleinere Sprachen wie Tagalog, Swahili oder Wolof angehen. Dafür haben wir mittelfristig ein Mikrokreditprogramm geplant, bei welchem die Lehrer Netbook, Webcam und Internet vorfinanziert bekommen.

telefon.de: Um einen funktionierenden Marktplatz für Sprachlehrer und Lernende zu etablieren, braucht es auf beiden Seiten eine kritische Masse, wie schafft Ihr es diese auf glovico.org zu bekommen?

Tobias Lorenz: Community-Management ist unsere zentrale Herausforderung und Tagesgeschäft. Dafür setzen wir auf Social Media und werden kommende Woche auch unter die Blogger gehen. Dazu kommt, dass wir ein fantastisches Netzwerk an Supportern haben, die uns nach Kräften unterstützen. Dieses Netzwerk trägt uns voran und ohne es wären wir nicht da, wo wir heute sind.

telefon.de: Zum Schluss unsere Standardfrage. Wie sieht die Welt von Glovico in fünf Jahren aus?

Tobias Lorenz: Oha, das ist eine spannende Frage. Wir werden ein riesiges Nonprofit-Unternehmen sein und der Welt größte Sprachschule für regionale Sprachen in Entwicklungsländern. Afrika wird den „digital divide“ überwunden haben und viel besser als heute angebunden sein. Außerdem wird es normal sein, von jemandem am anderen Ende der Welt eine Sprache zu lernen und sich gleichzeitig über die unterschiedlichen Kulturen auszutauschen.

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